Was wir von Ubuntu für die Führung lernen können

Ubuntu ist eine afrikanische Lebensphilosophie, die sich nicht in einem einzigen Satz fassen lässt, aber vielleicht am treffendsten durch den Ausdruck beschrieben wird:

🧩 „Ich bin, weil wir sind.“

🧩 „Was wir miteinander tun, formt, wer wir werden.“ (Mungi Ngomane).

Ubuntu stellt das  «Wir» über das «Ich»  – ohne das Ich aufzugeben. Es ist ein Wir, das nicht ausgrenzt, sondern in tiefem Respekt verbindet. Und sehr wichtig: Abgrenzung ist Beziehungsgestaltung, keine Trennung.

👉 In einer Zeit, in der Führung oft zwischen Effizienzdruck und Individualisierung zerrieben wird, wirkt Ubuntu wie ein leiser, aber kraftvoller Gegenentwurf. Was bedeutet das konkret für Führung? Zwei Beispiele aus der Praxis:

🔹 Ein CEO berichtet in einer Grossveranstaltung offen von den inneren Konflikten bei einem Programm zum Personalabbau. Nicht als symbolischer Akt von Bescheidenheit, sondern weil er aufrichtig zeigen will, was menschlich in ihm passiert und zur Entscheidung geführt hat.

Die Wirkung: Die Belegschaft diskutiert nicht länger hinter vorgehaltener Hand. Ubuntu zeigt sich hier im Mut zur Verbundenheit auch in der Unsicherheit.

🔹  In einem Team-Workshop wird nicht gefragt, wer die besten Ideen hat, sondern was jede und jeder beitragen kann, damit eine tragfähige Lösung entsteht. Eine Führungskraft hört dabei still zu, stellt Fragen, hakt nach – nicht um zu bewerten, sondern um zu verstehen. Im Lauf der Gespräche entsteht ein neues Bild der Situation, das weder einer allein noch eine KI hätte entwerfen können.

Ubuntu in diesem Fall bedeutet: Führung als Raumhalterin für kollektive Intelligenz. Führung auf Basis von Ubuntu verlangt kein moralisches Heldentum. Es geht nicht darum, „näher bei den Leuten“ zu sein oder sich auf „weiche Werte“ zu berufen. Es geht um ein tiefes Verstehen von Beziehung als Ressource – gerade in komplexen Zeiten.

Wer das ernst nimmt, führt nicht weniger entschieden, sondern in einer anderen Haltung: gleichzeitig verbunden mit sich, den anderen und dem Ganzen.

In der Kulturwissenschaft würde man diese Haltung als «holistisch» bezeichnen, gegenüber «atomistisch-individualistisch».

👉 Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung von Ubuntu für die Führung: sich selbst nicht mehr als Zentrum, sondern als Teil eines Ganzen zu begreifen – und daraus Kraft zu schöpfen.

🔑 Angesichts der zunehmenden Polarisierungs- und Entfremdungstendenzen weltweit scheint mir Ubuntu eine interessante Denkweise auch für die Konfliktlösung zu sein.

Dazu mehr in einem nächsten Artikel.

Mehr:

Auch interessant:

Kultur beginnt, wenn es stört

Mittwochmorgen, 09:04 Uhr. Strategiemeeting. Traktandum 6: „Zusammenarbeit mit Sales optimieren“. Ein Manager aus dem Produktteam lehnt sich zurück, schüttelt kaum merklich den Kopf und sagt

Coaching als Dialog - Resonanz finden

DAS WERT-VOLLE MEETING 😀

Die Werte standen an der Wand im Sitzungszimmer: „Wir sind offen, ehrlich, respektvoll, kundenzentriert und unternehmerisch-denkend“. Zwei kamen 5 bzw. 10 Min. „respektvoll“ zu spät

Sie haben Fragen? Senden Sie mir einfach eine kurze Anfrage!