Resonanzorientierte Führung 6 – Der Bumerangeffekt beim Feedback – und wie man diesen nutzen kann

Feedback ist ein unverzichtbarer Bestandteil jedes Lernprozesses, sei es beruflich oder privat. Bei den gängigen Feedbackregeln wird übersehen, dass Feedback eigentlich ein Dialog ist: ich beschreibe, was mir aufgefallen ist, bzw. beurteile dies gemäss meinen eigenen Wertmassstäben. Ich projiziere also gewissermassen meine Wahrnehmung von Ist und Soll auf eine andere Person. Dies wiederum löst bei der anderen Person eine Reaktion aus: sie findet das Feedback interessant, stimmig, unzutreffend, verletzend, etc.

Wenn man sich die Frage stellt: «Was könnte meine Wahrnehmung, mein Feedback, das ich gerade gebe, über mich SELBST aussagen…?», dann öffnet man die die Türe zur Selbstreflexion.

Einem Bereichsleiter wurde von der Geschäftsführerin ein Coaching nahegelegt, um seine Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. Er rede zu umständlich und bringe es nicht auf den Punkt, meinte die Chefin.
Im darauffolgenden von mir angeregten Gespräch zu Dritt ermunterte ich zuerst den Bereichsleiter, zu sagen, was das Feedback in ihm ausgelöst habe. Er war durch die Rückmeldung verunsichert, was sich auch durch seine Anspannung und gepresste Stimme artikulierte. Ich fragte nun intuitiv die Geschäftsführerin, ob sie auch schon anderswo festgestellt habe, dass Leute Mühe hätten, auf den Punkt zu kommen. Sie meinte, dies falle ihr immer wieder auf und die Leute sagten von ihr, sie sei eine Schnelldenkerin. Darauf fragte ich, ob sie dann manchmal auch ungeduldig werde, was sie bejahte und der Bereichsleiter nickte dazu.

Dies ermunterte den Bereichsleiter sich zu öffnen und er meinte, ihm komme beim Sprechen eben Vieles in den Sinn und dann könnte er sich darin etwas verlieren. So fanden wir unter anderem heraus, dass die beiden einen völlig unterschiedlichen Denk- und dadurch auch Sprechstil pflegten. Beide fanden dies relevant und sahen diesbezüglich bei sich selbst wie auch beim anderen ein Entwicklungspotenzial.

Feedback mit gleichzeitiger Selbstreflexion ist gelebte Offenheit: ich nehme und gebe gleichzeitig Feedback. Dadurch gerät etwas in Schwingung, es entsteht Resonanz und wir lernen gemeinsam.
Selbstreflektierendes Feedback ist auch mit entsprechend sensibilisierten Teams möglich. Es erhält dann nicht eine Person nach der anderen Feedback, sondern es findet ein (hoffentlich feinfühlig moderierter) Prozess statt, wo Selbst-, Fremd- und Prozessreflexion sich miteinander verweben, was zu einer ganz anderen Dynamik, Tiefe und Verbundenheit führt.

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