Seit vielen Jahren wird gefordert, gute Führung müsse sinnhaft, partizipativ und wertschätzend sein. So weit so gut… Viele erleben aber eine andere Realität und sind direkt oder indirekt betroffen von wiederkehrenden Reorganisationen, Kostensparprogrammen und Personalabbau.
Das humanistische Ideal und die Business-Realität scheinen immer stärker auseinanderzuklaffen. Gerade in den Branchen, welche im disruptiven Wandel oder im globalen Wettbewerb stehen, kommt die Leitung nicht darum herum, auch harte und unangenehme Entscheide zu fällen.
Man befindet sich einem Spannungsfeld zwischen der Verantwortung für eine zeitgemäße Führungskultur und der strukturellen Verantwortung für die Existenzsicherung bzw. Erreichung der betriebswirtschaftlichen Ziele.
In der Krise kommt es häufig zu einer Entfremdung zwischen Entscheidern und den direkt / indirekt Betroffenen. Um dies zu entschärfen, sollten sich alle um Resonanz bemühen. Resonanz bedeutet nicht Einverständnis. Es geht darum, miteinander in Beziehung zu kommen bzw. zu bleiben: ehrlich, respektvoll und dem Konflikt nicht ausweichend. Ganz nach dem Motto „in der Krise zeigt sich der wahre Charakter…“. Nicht zufällig spricht man von „FührungsverANTWORTung“, denn Führung ist eine Antwort-Beziehung.
Resonanz findet auf drei Achsen statt (siehe auch Grafik):
1. Innere Resonanz
2. Resonanz mit anderen
3. Resonanz mit Thema
Welche Resonanzquellen können in Krisensituationen angezapft werden?
· Innere Resonanz: Was löst die Entscheidung in mir aus? Wie stehe ich ethisch dazu? Bin ich empört, suche ich Sündenböcke? Welche Mitglieder meines „inneren Teams“ , welche Stimmen melden sich zu Wort?
· Resonanz im Leitungsteam: Ist genügend geklärt, was fremdbestimmt und was selbstbestimmt zur Krise geführt hat? Wo zweifeln wir allenfalls noch? Was lernen wir daraus für die Zukunft?
· Resonanz zwischen oben und unten: Wie können wir den Sinn und die Notwendigkeit der Entscheide nachvollziehbar rüberbringen, gibt es Treffen mit Betroffenen? Zeigen wir echte Empathie mit den direkt und indirekt Betroffenen? Wie glaubwürdig wirken wir auf Mitarbeitende und andere betroffene Gruppen? Gibt es Doppelbotschaften von oben, welche verwirren? Schöpfen wir die Möglichkeiten von Abschlussgesprächen, outplacement, etc. aus?
Resonanzorientierte Führung hilft natürlich nicht nur in der Krise. Sie ist generell sinnstiftend und erzeugt Vertrauen, man kommt miteinander in Fluss und gelangt schneller zur Essenz!
Damit schliesse ich diese Blogreihe vorläufig ab. Die Grafik enthält den Gesamtüberblick über alle 10 Blogs und noch weitere Resonanzquellen.



